Montag, 2. März 2015

Stellungnahme der Eltern zu den Vorschlägen der Stadtverwaltung

Sehr geehrte Damen und Herren Räte der Stadt Bonn,
sehr geehrte Mitglieder der Ausschüsse,

Sie haben in den vergangenen Wochen intensiv die Diskussionen um einzelne Positionen im Haushaltsentwurf geführt und sich zu den Themen eine Meinung bilden können. In der Sondersitzung des Jugendhilfe- und Schulausschusses steht die Entscheidung zum Fortbestand der Qualität und Finanzierung der Offenen Ganztagschule (OGS) an.

Die Verwaltung hat zwei verschiedene Vorlagen eingestellt:
  1. die Diskussionsgrundlage für „Offene Ganztagsschule in Bonn – Eckpunkte für eine Neuausrichtung von OGS" (1510715.pdf nebst Anlage 1510715ED2.pdf)
  2. die Offene Ganztagsschule in Bonn – Übergangslösung für das Schuljahr 2015/2016 (1510765.pdf). 
Zu 1.:
Aus Träger- und Elternsicht ist die erste Vorlage eine sehr gute Analyse und Bewertung der Grundausrichtung von OGS für unsere Gesellschaft, jetzt und in Zukunft. Es werden zutreffende Berechnungen und Zahlen genannt, sowie sehr treffend auch die Notwendigkeit der Fachkräfte (mit mindestens 25 Stundenverträgen auf eine Gruppenstärke von 25 Kindern) beschrieben. Die Kosten stimmen laut Aussage der Träger mit der Realität weitgehend überein. Der hier berechnete OGS-Basis-Betrag von 2.397,- € ist in Annäherung der gleiche Betrag (2.115,- + 317,- = 2.432,-), den die Träger zwingend brauchen, um die Qualität im gewohnten Rahmen aufrecht zu erhalten - und die gewohnten und benötigten Betreuungszeiten weiterhin ohne Eigenfinanzierung durch die Eltern zu garantieren.

Würde jetzt noch eine 1,5 % Dynamisierung auf den Basis-Betrag von 2.397,- € hinzukommen, so wäre die bekannt gute OGS-Qualität in Bonn ohne weitere Diskussionen für viele Jahre gesichert.

Viele Folgeschäden mangelnder Kinderbetreuung könnten vermieden werden (mangelnde Fürsorge und Erziehung, Verwahrlosung, Bildungsdefizite, Kriminalität, Arbeitslosigkeit der Jugendlichen und der Mütter, Scheitern von Inklusion, u.v.a.m.).

Zu 2.:
Leider entspricht das Übergangsjahr aus Elternsicht nur einer nicht zu akzeptierenden Notlösung mit unter Umständen fatalen Auswirkungen. Hier wird der OGS-Basis-Betrag auf 2.160,- € festgelegt. Dies entspricht einer Erhöhung von lediglich 45,- € statt der benötigten 317,- € . Dies soll durch Wegfall von 3 Wochen Ferienbetreuung und wöchentliche Betreuungs/Arbeitszeitverkürzungen von 25 auf 22,5 Stunden kompensiert werden. Der Wegfall der 3 Wochen Ferienbetreuung wird auf dem Rücken der Eltern ausgetragen (Ausfall oder komplette Eigenfinanzierung durch die Eltern). Die Arbeitszeitverkürzung wird auf dem Rücken des Fachpersonals ausgetragen (Änderungskündigungen). Und die Verzahnung/Zusammenarbeit mit der Schule wird in weiten Teilen geopfert.

Die Folgen: hohe Frustration bei den Eltern, eventueller Jobverlust der Mütter, das Fachpersonal geht unter Umständen verloren, das Zusammenwachsen von Jugendhilfe und Schule wird einen Rückschritt erfahren, die Qualität der Betreuung sinkt.

Deshalb können wir Eltern Sie und alle anderen Ratsmitglieder nur dringend bitten, den von der Verwaltung berechneten OGS-Basis-Betrag von 2.397,- € zu genehmigen und auch bereits im kommenden Übergangsjahr zu finanzieren und allen Offenen Ganztagsschulen Bonns zur Verfügung zu stellen.

Durch überregionale und landesweite Vernetzung zum Thema OGS ist bekannt, dass viele Kommunen in diesen Wochen mit Spannung auf Bonn blicken - mit der Frage: Wie wird sich die Vorzeige-Kommune Bonn hier positionieren? Eine positive Entscheidung wäre ein eindeutiges Signal für ein innovativ denkendes Bonn, für die besondere Familienfreundlichkeit und die zukunftsfähige Gesellschaftsentwicklung des Standortes Bonn als Kommune in NRW - und könnte eine Weichenstellung auf Landesebene für den Stellenwert von OGS, ein beeindruckendes Bekenntnis für andere Kommunen sein.

Wir, die Eltern der in den OGSen der Stadt Bonn betreuten Kinder appellieren daher eindringlich an Sie, nur den Vorschlag nach 1. zu genehmigen und ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Stadt Bonn zu setzen!

Igor P. Thom, im Namen der Bonner Eltern,
Sprecher der OGS-Elternräte der Bonner Schulen

Dienstag, 24. Februar 2015

Das neue OGS-"Konzept"

Heute wurde im Bonner Ratsinformationssystem BoRIS die Beschlussvorlage (nebst Anlage) für die gemeinsame Sitzung von Schul- und Jugendhilfeausschuss am 03.03.2015 eingestellt. Am 26.03.2015 soll das ganze dann in den Stadtrat. 


Kurzer Tenor der Beschlussvorlage:
  • Für das Schuljahr 2015/16 wird die Erhöhung der Landeszuschüsse an die Träger weitergegeben.
  • Für das Schuljahr 2015/16 soll der kommunale Zuschuss um 1,5% erhöht werden.
  • Die Ferienbetreuung wird auf 14 Tage pro Schuljahr gekürzt.
  • Weitere Ferienbetreuung kann von den Trägern angeboten werden, ist aber den Eltern mit ca. € 80 - 100 pro Woche und Kind in Rechnung zu stellen (kein Geschwisterbonus). Eine Kostenübernahme für Bonn-Ausweis-Inhaber ist fraglich.
  • Die Betreuungszeit während der Schulzeiten soll "vorne" gekürzt werden, d.h. OGS wird erst ab 12 Uhr beginnen. Damit soll eine Betreuung bis 16:30 Uhr sichergestellt werden.
  • Weniger (Fach-) Personal: Die Stadt geht von folgendem Personalschlüssel aus: eine pädagogische Leitung mit 30 Wochenstunden, pro 25 Kinder eine Fachkraft mit 25 bis 30 Wochenstunden, pro 25 Kinder eine Ergänzungskraft mit 15 Wochenstunden.
  • Zum Schuljahr 2016/17: Erhöhung der Elternbeiträge, eventuell Wegfall der Gebührenbefreiung für Geschwisterkinder.
  • Zum Schuljahr 2016/2017: Umstellung auf OGS-Basisfinanzierung (= weniger Geld als im Schuljahr 2015/2016) und Verteilung der über die Basisfinanzierung hinausgehenden Mittel im Rahmen einer "sozialräumlichen Differenzierung".

Montag, 23. Februar 2015